Clickertraining

Der Trick mit dem Click

Für viele Hundehalter (vor einiger Zeit auch für mich) kostet es große Überwindung, sich mit einem kleinen Gerät auseinanderzusetzen, das man am Handgelenk trägt und ein Klick-Geräusch verursacht:

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Clicker

 

 

Der Clicker

 

Viele kennen den Clicker nur aus dem Tricktraining, also dem Training, bei dem einem Hund lustige Tricks beigebracht werden, doch ich möchte dir nun zeigen, was ein Clicker eigentlich ist und wozu er gebraucht wird.

 

 

Glockenspiel: Pawlow

1905 machte der russische Forscher Ivan Petrowitsch Pawlow eine Entdeckung:

Wenn man Hunden Futter präsentierte, fingen sie an zu speicheln.

Ließ man eine Glocke ertönen, geschah nichts.

Wenn aber Glockenton und Futter wiederholt nacheinander präsentiert wurden, führte nach einer Weile auch ausschließlich der Glockenton zu Speichelfluss!

Dieser Vorgang nennt sich Klassische Konditionierung.

 

Es wirkt verständlicherweise sehr steril und unnatürlich, warum sollte man so etwas "wissenschaftliches" für die Erziehung von Hunden benötigen? 

 

Diese Klassische Konditionierung geschieht quasi immer und überall, auch ohne unseren bewussten Einfluss.

 

Wenn ein Hund etwas gut gemacht hat, sagen wir automatisch "fein" und geben dem Hund ein Leckerchen oder streicheln ihn.

Über die regelmäßige Wiederholung wird der Hund mit der Zeit verstehen, dass "fein" etwas Angenehmes ankündigt. Viele Hunde sabbern, wenn man "fein" sagt. 

 

Warum dann der Clicker?

Das Wort "fein" hat sich bei vielen Hundehaltern so stark eingebürgert, dass es in der Regel inflationär verwendet wird.

Das bedeutet, das Wort fällt mit zunehmender Häufigkeit ohne angemessene Belohnung und verliert daher zunehmend an "Wert", an Bedeutung für den Hund.

 

Ein Signal, das mal mehr, mal weniger vorhersehbare Konsequenz zur Folge hat, verliert immer wieder ein wenig an Bedeutung. Es "wäscht sich aus" und wir bewegen uns nicht mehr im Bereich der Reaktionen, sondern unser Hund lernt, in welchen Situationen üblicherweise ein "fein" WIRKLICH von Vorteil für ihn ist und in welchen Situationen eher weniger oder gar nicht.

 

Das liegt daran, dass wir das Wort "fein" nicht als Signal verwenden, das im richtigen Augenblick das erwünschte Verhalten markiert und auf das immer eine angemessen angenehme Konsequenz folgen sollte, damit es nicht an Bedeutung verliert, sondern wir LOBEN damit!

 

Versuch es doch einfach mal mit dem Wort "Pusteblume" statt fein.

Das Wort "Pusteblume" hat keinerlei Bedeutung für den Hund. Wenn du regelmäßig nach dem Wort "Pusteblume" einen so genannten Primärverstärker (Futter zum Beispiel) folgen lässt, wird sich dein Hund freuen, zu dir kommen, Speichel produzieren, sobald du "Pusteblume" sagst.

 

Lässt du nun immer häufiger auf das Wort keine für den Hund angenehme Konsequenz folgen, wird die Pusteblume wieder zur Pusteblume: Bedeutungslos :)

 

Es geht also in erster Linie darum, ein Signal zu nutzen, das möglichst niemals seine Bedeutung verliert, denn nur so können wir sicher und zuverlässig Verhalten formen.

 

Ein Clicker bietet sich hier einfach an, weil wir in den Clicker keine Emotionen hineinfließen lassen können. 

Der Clicker klingt immer gleich und sein Ton unterscheidet sich dramatisch von dem, was unser Hund den lieben langen Tag zu hören bekommt.

 

Grundsätzlich kann man aber natürlich auch ein Wort nehmen, das man sonst nie sagt und das möglichst prägnant klingt.

Zum Beispiel "Klick", "Yes", "Top", ...

 

Ich persönlich empfehle es in den meisten Fällen, sich zumindest zu Anfang einmal mit dem Clicker auseinander zu setzen, weil man durch die Verwendung eines Clickers begreift, dass unser Lob an sich nicht bedeutungsvoll genug für den Hund ist, um ihm beim Lernen des erwünschten Verhaltens zuverlässig zu helfen.


Auch benutzt man einen Clicker nicht versehentlich "zwischen Tür und Angel". Man konzentriert sich und setzt sich mit dem punktgenauen Verstärken von Verhalten auseinander.

Von der Reaktion zum Verhalten

Hat man nun also ein Signal, das für den Hund eine interpretationsfreie Bedeutung hat, nämlich die Ankündigung eines Primärverstärkers, also einer Konsequenz, durch die sich ein Hund gut fühlt, ohne dass er es bewusst beeinflussen kann, zum Beispiel Futter, hochwertiges Spielen, Hetzen, ..., kann man mithilfe dieses Signals die Auftretenswahrscheinlichkeit von Verhalten positiv beeinflussen.

 

Verhalten, das sich lohnt, wird häufiger gezeigt.

 

Das ist die Basis positiver Verstärkung.

 

Ich überlege mir, welches Verhalten mein Hund zeigen soll und beLOHNE es - ich lasse es lohnenswert werden für meinen Hund.

 

Da ich aber Futter nicht in dem Augenblick im Hundemaul erscheinen lassen kann, in dem mein Hund das richtige Verhalten zeigt, nutze ich nun meinen Clicker, einen so genannten Sekundärverstärker - also das Signal, das einen Primärverstärker zuverlässig ankündigt - und mein Hund kann verstehen, dass genau das Verhalten lohnenswert ist, welches er gezeigt hat, als der Click ertönte.

 

Anschließend kann ich meinen Hund zügig belohnen.

Keine Zauberei, sondern verständliche Kommunikation

Ein Clicker ist also alles andere als Trickserei!

Es ist verständliche und Vertrauen schaffende Kommunikation.

 

Ein Meilenstein für das Training über klassisch konditionierte Sekundärverstärker war Karen Pryor's Arbeit mit Delfinen. In den 60er Jahren hat sie stark dazu beigetragen, zu erkennen, dass man Delfine für Delfinshows wesentlich stressfreier und effizienter trainieren konnte, wenn man sich auf das Verstärken von Verhalten konzentrierte, anstatt über Bestrafung zu arbeiten.

 

Es handelt sich beim Clickertraining also um das Verstärken von erwünschtem Verhalten mithilfe von Signalen, die das Tier versteht und die dem Tier ein gutes Gefühl geben.

 

Links zum Clickertraining