Körperpflege

Bürsten

Video aus dem Training

Wenn es um Situationen geht, die der Hund eher unangenehm findet, ist es wichtig, von Anfang an auf die Trainingsbereitschaft des Hundes zu warten.
Wenn man aus  einem"lästigen Übel" eine spaßige und bewältigbare Trainingseinheit macht, haben alle etwas davon.

Ich kann meinen Hund bürsten und mein Hund hat das Gefühl, selber zu bestimmen, wie viel er aushalten kann.

Schritt 1:
 
Begonnen haben wir mit der Bürste als "Target".
Man präsentiert die Bürste und wartet darauf, dass der Hund die Bürste anschaut. Immer wenn sein Blick zur Bürste geht, wird gemarkert (z.B. "Click" oder "Yes" siehe Clickertraining) und belohnt.

Mit der Zeit wird der Hund neugieriger und beginnt, sich der Bürste zu nähern. Die Annäherung wird nun gemarkert und belohnt.
Inzwischen dürfte der Hund von sich aus die Bürste anstupsen. Marker und belohne dieses Verhalten.

Schritt 2:
 
Wenn der Hund die letzten 3-4 Trainingseinheiten mit 99%iger Sicherheit die Bürste mit der Schnauze berührt hat, beginnen wir, eine Verbindung zum Körper herzustellen.

Wenn der Hund nun das nächste Mal die Bürste mit der Schnauze anstupst, geben wir ihm eine Ankündigung (z.B. das Wort "Bürste") und berühren ihn vorsichtig und kurz mit der Bürste an einem Körperbereich, der am wenigsten empfindlich ist. Z.B. die Brust oder die Schulter. 

Während die Bürste die Schulter noch berührt, markern wir ("Click"), nehmen dann die Bürste weg und belohnen mit Futter.

Es ist wichtig, dass wir erst markern, dann die Bürste wegnehmen und dann belohnen.

Nun halten wir die Bürste wie gewohnt vor den Hund und warten, dass er sie wieder mit der Schnauze berührt.
Sofort nach dem Anstupsen wieder "Bürste" sagen, die Bürste vorsichtig an seine Schulter führen, markern, Bürste wegnehmen und dann füttern.

Schritt 3:

Bewegung.
Wenn der Hund sehr ruhig und sicher die Berührung mit der Bürste erträgt und sich für die Berührung entscheidet, indem er weiterhin die Bürste anstupst, können wir beginnen, nach der Ankündigung die Bürste am Körper einen Strich zu bewegen.

Ab jetzt gilt: Pro Trainingseinheit 1-5 Striche mehr bis zum Markern.

Schritt 4:

Annäherung an sensiblere Körperbereiche.
Bleibt wachsam und vorsichtig beim langsamen Integrieren anderer Körperstellen in die Körperpflege.
Achtet darauf, dass euer Hund bereit ist, dass euer Hund "grünes Licht" gibt und dass sich euer Hund nicht abwendet.

Wenn der Hund weggeht, dann lasst ihm seinen Freiraum und geht in der nächsten Trainingsstunde 1-2 Schritte zurück.

Warum ist es sinnvoll, Körperpflege positiv aufzubauen?

Einen kleinen Hund kann man vielleicht noch zwingen, stillzuhalten. Man ist ihm ja körperlich gewachsen. Aber das ist nicht die feine Art, einen Hund zu behandeln.

Will ich nun aber einen größeren Hund dazu bringen, still zu halten, während ich ihn bürste, dann wird es schon deutlich schwieriger.
Wenn ich ein paar Wochen Training investiere, habe ich ein Leben lang einen Hund, der sich gern und sicher bürsten lässt, weil er nicht nur gelernt hat, dass Bürsten etwas ist, was er sehr gut bewältigen kann, vielleicht findet er diese Übungen sogar so spaßig, dass er sie am liebsten immer und immer wieder durchspielen möchte.
Am wichtigsten ist aber der Punkt, dass uns unser Hund vertrauen kann, dass wir ihm nichts zumuten, wozu er nicht bereit ist. 
Das heißt, wir nutzen die notwendige Körperpflege auch zum Aufbau von Vertrauen und Bindung.

Eine Trainingseinheit sollte lieber sehr kurz gehalten werden. Manchmal reichen 10 Sekunden, maximal aber 3 Minuten.
Dann macht ihr Pause (10-30 Minuten) und trainiert dann wieder.
Kündigt das Training zusätzlich an, indem ihr euch immer gemeinsam auf eine Trainingsmatte oder ein bestimmtes Handtuch setzt.
So lernt euer Hund "Aha, jetzt trainieren wir wieder etwas.".

Missy hat sich eigentlich immer zähneknirschend bürsten lassen. Da mir aber vor einer Weile aufgefallen ist, dass sie es wirklich nur zähneknirschend erträgt und ich finde, dass das nicht sein muss, habe ich das Bürsten neu aufgebaut.

Es macht Spaß. Es ist geistige Beschäftigung. Es ist bindungsaufbau, denn euer Hund lernt euch zu vertrauen.
Viel Spaß dabei!